Akashi Tomonori, M.A., Kyūshū Universität, Fukuoka (November 2011 – September 2012)
Dr. Nara Katsuji, Kyōto Universität, Kyōto (September 2011 – März 2012)
Terazawa Yū, M.A., Kyōto Universität, Kyōto (September 2011 – März 2012)
Prof. Dr. Yamaguchi Teruomi, Kyūshū Universität, Fukuoka (August 2012 – Januar 2013)
Itō Kaori, M.A., Kyūshū Universität, Fukuoka (Oktober 2012 – März 2014)
Prof. em. Tagai Tokuhei, Tōkyō Universität, Tōkyō (Oktober 2013 – Dezember 2013)
Prof. Dr. Kido Eiichi, Universität Ōsaka, Ōsaka (März 2019 – März 2020)
Kamioka Mana, M.A., Universität Keiō, Tōkyō (Sommersemester 2022)
Prof. Dr. Suganuma Akimasa, Kyūshū Sangyō Daigaku, Fukuoka (April 2026 – März 2027)
Interview Herr Tagai (29.11.2017)
Tokuhei Tagai ist Professor Emeritus der Universität Tōkyō und Sonderforschungsmitglied im Museum derselbigen; sein Forschungsgebiet ist die Mineralogie. Im Herbst dieses Jahres ist Professor Tagai für einen Monat zu Besuch an der RUB, um zum wiederholten Male mit Quellen aus dem Siebold-Archiv zu arbeiten. In einem Interview erzählt er von seinem Aufenthalt, seinem wissenschaftlichen Interesse an der Sammlung sowie ihrer Relevanz für die Forschung.

Herr Tagai, Sie sind nicht zum ersten Mal in Bochum. Der wievielte Besuch ist es für Sie?
Dieses Jahr bin ich zum 6. Mal in Bochum. Bei meinem ersten Besuch war ich nur für zwei Tage hier, um die Sammlung zu sichten; als klar war wie wichtig die Quellen sind, bin ich für längere Aufenthalte, teils bis zu einem Monat lang, nach Deutschland gekommen.
Wofür haben Sie die Siebold-Sammlung bisher gebraucht?
Ziel meiner Arbeit mit der Sammlung ist die Vervollständigung und Publikation eines Werks, das Siebold seinerzeit zwar geplant hatte, das aber nie veröffentlicht wurde: die Mineralogia Japonica.
In einem Brief an Dr. Temminck, den damaligen Direktor des Museums für Naturgeschichte in Leiden, schreibt Siebold, dass er zu seinem Japanaufenthalt ein dreiteiliges Werk herausgeben möchte. Orientiert an Carl von Linnés Systema Naturae (1735), in dem dieser die Natur in die Kategorien der Mineralien, Pflanzen und Tiere unterteilt, plante Siebold jeweils eine Veröffentlichung zur Mineralogie, zur Botanik und zur Zoologie Japans. Die beiden letzteren erschienen unter den Titeln Flora Japonica (1835) und Fauna Japonica (1833), doch die geplante Mineralogia Japonica konnte er nicht mehr verwirklichen.
Mithilfe des Siebold-Archivs ist dieses Vorhaben nachträglich umsetzbar; die Sammlung beinhaltet, unter anderem, ein Manuskript der Mineralogia, sodass die Trilogie vervollständigt werden kann.
Mit welcher Quelle beschäftigen Sie sich diesmal?
Bei meinem jetzigen Aufenthalt arbeite ich an einer Handschrift von Heinrich Bürger, der im Jahr 1825 in Japan Siebolds Assistent, später sein Nachfolger wurde. Ein zugehöriges Inhaltsverzeichnis sowie Korrekturen, von Siebold persönlich verfasst, konnte ich ebenfalls einsehen. Von Bürger stammt übrigens auch besagtes Manuskript der Mineralogia, das er in Siebolds Auftrag erstellte.
Wie finanzieren Sie Ihre Forschungsaufenthalte in Deutschland? Welche Förderung konnten Sie nutzen?
In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Förderung der Alexander von Humboldt-Stiftung zu nennen, die die Kosten vor Ort deckt. Mein Forschungsprojekt wurde außerdem vom Japanese Ministry of Education, Science, Sports and Culture sowie von der Toshiba International Foundation finanziert.
Haben Sie bereits Forschungsergebnisse publiziert?
Ja, einen Teil meiner Ergebnisse konnte ich bereits veröffentlichen, beispielsweise in Siebold’s “De Mineralogica Japonica”, einem Band, der in der Reihe Acta Sieboldiana 2016 bei Harrassowitz erschienen ist. Ein Teil zum Bereich Physik steht aber noch aus. Außerdem finde ich Siebolds Höhenbestimmung des Berges Fuji sehr interessant - dazu würde ich gern etwas schreiben.
Wie haben Sie zum ersten Mal von der Siebold-Sammlung in Bochum erfahren?
Auf der Internationalen Siebold-Konferenz 2011 habe ich Professor Regine Mathias kennengelernt und sie hat mir vom Archiv an der RUB erzählt. Zu dieser Zeit hatte ich schon mit der Siebold’schen Mineralien-Sammlung in Leiden gearbeitet und eine Datenbank dazu erstellt. Allerdings reichte dieses Material nicht aus, um die Mineralogia Japonica zu schreiben, da zu den Exemplaren so gut wie keine schriftliche Dokumentation vorliegt.
Was sind für Sie die Besonderheiten des Siebold-Materials in Bochum?
Vor allem seine Einzigartigkeit! Diese Quellen gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Außerdem ist Siebold in Japan sehr bekannt und es gibt ein großes öffentliches Interesse an seiner Person. Das macht die Sammlung, meiner Meinung nach, besonders relevant.
Welche Quellen in der Sammlung halten Sie für besonders interessant?
Für mich sind Heinrich Bürgers Beschreibungen sehr interessant, aber auch Quellen, die auf die Beziehung zwischen Bürger und Siebold schließen lassen. So hat Siebold beispielsweise bei der Durchsicht der Schriften seines Assistenten eigene Ergänzungen handschriftlich hinzugefügt.
Abgesehen von der Siebold-Sammlung: Was halten Sie von der RUB?
Insgesamt sagt mir der Campus zu, weil er so neu ist. Außerdem wirken die Mitarbeiter der RUB auf mich organisiert und sehr zuverlässig, sodass man hier gut arbeiten kann. Vielleicht war das ja nicht mein letzter Besuch.
Lieber Herr Tagai, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben. Hoffentlich dürfen wir Sie bald wieder in Bochum begrüßen!
Weitere Informationen zum Siebold-Archiv (inklusive einer japanischen Übersetzung des Interviews) finden Sie unter Sammlungen.
Interview mit Prof. Kido Ei’ichi, DAAD-Gastdozent 2019/20

Interview: Marc Paschke, AREA-Doktorand
Lieber Herr Kido, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für ein kurzes Interview nehmen. Vielleicht können Sie sich in ein paar Sätzen vorstellen?
Ich heiße Kido Ei’ichi, mein Vorname ist inspiriert von dem ersten Satelliten, der bevor ich geboren wurde, ins All geschossen worden ist. Ich bin in Tōkyō aufgewachsen, lebe in Kyōto und arbeite an der Universität Ōsaka als Associate Professor am Institut für internationale, öffentliche Politik (Kokusai Kyokyō Seisaku Kenkyūka).
Wo haben Sie studiert? Was haben Sie studiert?
Als ich in meiner Jugend einen Leserbrief in einer Zeitschrift oder einer Zeitung las, der die politische Lage in Tōkyō - damals gab es eine Auseinandersetzung zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten - mit der Weimarer Zeit in Deutschland verglich, entschied ich mich, Deutsch zu lernen und die Geschichte des Landes zu studieren. Jedoch erst nach einem dreimonatigen Aufenthalt in der ehemaligen DDR 1979 wechselte ich an die Hitotsubashi-Universität und begann, ernsthafter zu studieren. 1985-86 studierte ich zusätzlich an der Karl-Marx-Universität in Leipzig und bin seit 1990 an der Universität Ōsaka.
Wo liegen denn Ihre Forschungsinteressen? Im Juni halten Sie ja auch einen Vortrag in unserem Mittagsforum.
Als Politikwissenschaftler interessiere ich mich insbesondere für die Militarismusforschung bzw. die Haltung des Staates, seine Interessen mit Gewalt durchzusetzen. Lustigerweise, wenn ich auf Deutsch schreibe oder eine Präsentation halte, ist das Thema Japan, und auf Japanisch beschäftige ich mich mit dem deutschen Staat, also genau umgekehrt.
Sie sind jetzt über den DAAD als Gastdozent hier. Wie lange bleiben Sie und ist dies Ihr erstes Mal in Bochum?
Das ist richtig. Ich bin für ein Jahr hier in Bochum als Dozent tätig, aber tatsächlich würde ich auch sehr gerne länger bleiben. Es ist das erste Mal, dass ich längerfristig in Bochum bzw. Westdeutschland bin. Davor war ich bestimmt schon weit über 40-mal in Deutschland, insbesondere Ostdeutschland, jedoch meist nur für kurze Aufenthalte und Vorträge.
Deshalb sprechen Sie also perfektes Deutsch. Gefällt es Ihnen gut an der Uni Bochum?
Ja, ich muss sagen, dass es mir wirklich sehr in Bochum gefällt, aber ich kann mich gar nicht festlegen, wo es mir am besten gefällt. Dennoch würde ich mich freuen, länger bleiben zu können.
Welche Kurse bieten Sie denn dieses Semester an?
Insgesamt sind es drei Kurse: Am Dienstag ein Seminar zu Geschichte und Geschichtsrevisionismus in Japan, am Mittwoch einen Textlektürekurs, in dem wir zurzeit natürlich etwas über die japanische Verfassung und den viel diskutierten Artikel 9 lesen und schließlich am Freitag eine Vorlesung über aktuelle Themen der Japanologie.
Recht herzlichen Dank für Ihre Zeit Herr Kido. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Spaß hier in Bochum und freuen uns auf zwei lehrreiche Semester mit Ihnen! Oder vielleicht sogar mehr?
Ein in den RUB News erschienenes Interview mit Kamioka Mana finden Sie hier.
Folgt in Kürze.